Compliance & Recht
28. November 2025
8 Min. Lesezeit

EU AI Act für den Mittelstand: Was Sie jetzt wissen müssen

Der EU AI Act kommt – und betrifft auch KMU. Erfahren Sie, welche KI-Systeme reguliert werden, welche Pflichten auf Sie zukommen und wie Sie sich jetzt vorbereiten können.

KINEWS24 Team

KI-Beratung mit Fachanwältin

EU AI Act für den Mittelstand: Was Sie jetzt wissen müssen

Der EU AI Act (Artificial Intelligence Act) ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Er wurde 2024 verabschiedet und tritt stufenweise ab 2025 in Kraft.

Die 4 Risikostufen

Der AI Act kategorisiert KI-Systeme nach Risiko:

1. Unannehmbares Risiko → VERBOTEN

Beispiele: Social Scoring, biometrische Echtzeit-Überwachung, Manipulation von Verhalten. Für KMU nicht relevant.

2. Hohes Risiko → STRENGE REGULIERUNG

Beispiele: KI-gestützte Bewerbermanagement-Systeme, KI zur Bonitätsprüfung, KI in kritischer Infrastruktur.

Pflichten: Risikomanagementsystem, Datenqualität sicherstellen, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht, CE-Kennzeichnung.

3. Begrenztes Risiko → TRANSPARENZPFLICHTEN

Beispiele: Chatbots, KI-generierte Inhalte, Emotionserkennung.

Pflichten: Nutzer informieren, dass sie mit KI interagieren. KI-generierte Inhalte kennzeichnen. Deepfakes deutlich kennzeichnen.

4. Minimales Risiko → KEINE BESONDEREN PFLICHTEN

Beispiele: Spamfilter, Produktempfehlungen, Übersetzungs-KI. Keine speziellen AI-Act-Pflichten (DSGVO gilt trotzdem).

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Szenario 1: Standard-KI-Tools (ChatGPT, Canva, etc.)

Ihre Verantwortung: DSGVO beachten, KI-generierte Inhalte kennzeichnen, AVV abschließen.

Szenario 2: Chatbot auf Website

Pflichten: Nutzer informieren, dass es ein Chatbot ist. Datenschutzerklärung anpassen. AVV mit Chatbot-Anbieter.

Szenario 3: KI in der Personalauswahl

ACHTUNG: Hohes Risiko! Prüfen Sie AI-Act-Konformität des Anbieters. Dokumentieren Sie menschliche Aufsicht. Informieren Sie Bewerber über KI-Einsatz.

Timeline: Wann tritt was in Kraft?

  • Februar 2025: Verbot für "unannehmbares Risiko"
  • August 2025: Transparenzpflichten für Chatbots & KI-Content
  • August 2026: Anforderungen für "hohes Risiko"
  • August 2027: Volle Umsetzung
  • So bereiten Sie sich vor

    Schritt 1: Inventar erstellen

    Listen Sie auf, wo Sie KI einsetzen: Chatbots, KI-Content-Erstellung, automatische E-Mails, CRM, Bewerbermanagement.

    Schritt 2: Risikostufe bestimmen

    Für jedes Tool: Minimal, Begrenzt, Hoch oder Unakzeptabel?

    Schritt 3: Transparenz herstellen

    Chatbot-Hinweis, KI-Content kennzeichnen, Datenschutzerklärung aktualisieren.

    Schritt 4: AVVs prüfen

    Auftragsverarbeitungsverträge mit allen KI-Anbietern vorhanden?

    Schritt 5: Schulung & Dokumentation

    Mitarbeiter schulen, KI-Einsatz dokumentieren.

    Strafen bei Verstößen

    Ähnlich wie bei der DSGVO:

  • Bis zu 35 Mio. € oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes (schwere Verstöße)
  • Bis zu 15 Mio. € oder 3% (mittlere Verstöße)
  • Bis zu 7,5 Mio. € oder 1,5% (Informationspflichten)

Fazit: Keine Panik, aber Vorbereitung nötig

Der EU AI Act ist kein Bürokratie-Monster. Die meisten KMU-Tools fallen unter "minimales Risiko". Wichtig: Transparenzpflichten kommen schon August 2025. Chatbots und KI-Content müssen gekennzeichnet werden.

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